Weiterbildungen

Shot of a little girl looking unhappy as her parents argue in the background

Weiterbildungen für Fachkräfte

21.-23.11.2019
Training für das Programm Kinder aus der Klemme, Berlin
Arbeiten mit Familien in hochkonflikthaften Trennungen
mit Justine van Lawick und Annegret Eckhart-Ringel
(inkl. Zertifizierung zur Durchführung des Programms)
Je von 9:30 Uhr – 16:30 Uhr | TN-Zahl ist auf 24 begrenzt
>>> Kosten: Frühbucher 450,00 € (bis 30.06.2019) | danach 480,00 €
>>> Anerkennung für Bildungsurlaub (pdf-Datei)
>>> Veranstaltungsort: Aedes-Gallery, Christinenstr. 18/19, 10119 Berlin auf dem Pfefferberg
>>> Anmeldung per mail an puk@pfefferwerk.de

Foto von Justine van LawickJustine van Lawick
Justine van Lawick ist Klinische Psychologin, Familientherapeutin und Trainerin der niederländischen Vereinigung für Beziehungs- und Familientherapie (NVRG), Mitbegründerin des Lorentzhuis Haarlem, Niederlande. Sie entwickelte das Programm Kinder aus der Klemme als wirksame Intervention in hochkonflikthaften Trennungssituationen.

Foto Annegret Eckhart-RingelAnnegret Eckhart-Ringel
Annegret Eckhart-Ringel ist Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des DRK-Klinikums Berlin | Westend, Systemische Kinder- und Jugendpsychotherapeutin (SG) und sehr erfahren in der multifamilientherapeutischen Arbeit mit Familien in schwierigen Ausgangslagen. Sie arbeitet als Trainerin und Supervisorin für das Therapieprogramm Kinder aus der Klemme und hat das entsprechende Buch von Justine van Lawick und Margreet Visser mit ins Deutsche übersetzt.
(Foto: DRK Kliniken Berlin)

Einführung ins Thema

In Europa enden rund 44% der Ehen mit einer Scheidung. Die meisten Eltern denken an ihre Kinder und helfen den Kindern, mit den Veränderungen umzugehen und ein neues Gleichgewicht im Leben zu finden. Ein Jahr nach der Trennung geht es den meisten Kindern gut.
Eine kleine Gruppe von Eltern steckt in hohen Konflikten rund um das Sorgerecht, versorgende Aufgaben, Geldangelegenheiten, Unterkunft, Essen, Urlaub und viele andere Probleme. In diesen Situationen leiden die Kinder ebenso wie die Eltern und die Menschen um sie herum. In diesen komplexen Kämpfen bleiben oft auch Fachleute stecken. Sie ergreifen Partei für eine Seite der Eltern oder werden von den endlosen Spiralen der Konflikte mit hineingezogen.

Wenn Eltern sich trennen kommt es darauf an, dass sie weiterhin miteinander kommunizieren, einander zuhören und sich in den ehemaligen Partner wie auch in ihre Kinder einfühlen können. Sie müssen in der Lage sein, Abstand zu nehmen, die „Tragik des Lebens“ (Omer) zu akzeptie­ren und verschiedene Interessen gegeneinander abzuwägen; sie müssen die positiven und negativen Seiten des anderen sehen, mit Frustrationen umgehen und einander als Eltern ausreichend vertrauen können. Bei Eltern, die in hochkonflikthafte Trennungen verstrickt sind, ist das Gegenteil der Fall. Schon die bloße Anwesenheit und das Verhalten des früheren Partners rufen starke emotionale Reaktionen hervor.

Eltern sind zusammen verantwortlich

Das Hauptziel in der Arbeit mit den Eltern im Programm Kinder aus der Klemme ist es sie zu befähigen, wieder ein Klima der Sicherheit für ihre Kinder zu schaffen. Den Eltern wird vermittelt, dass sie dafür die Verantwortung tragen. Sie werden unter­stützt, Wege aus der Eskalation zu suchen, Meinungsverschiedenheiten konstruktiv und ohne Anwalt zu lösen und wieder mehr auf ihre Kinder zu achten. Eltern lernen, entweder wieder miteinander zu kooperieren oder im Sinne einer parallelen Elternschaft (Cottyn) einander loszulassen.

Ohne soziales Netzwerk geht es nicht

Nicht nur Eltern trennen sich, sondern meist sind immer auch zwei soziale Netzwerke betroffen. Dazu zählen die gesamte Familie, Großeltern, Nachbarn und Freunde, sowie Bezugspersonen in der Schule und im Beruf, deren Ansichten starken Einfluss auf das Verhalten der Eltern haben. Daher wird das Netzwerk beider Eltern während des Programms aktiv mit einbezogen.

Inhalte der Weiterbildung

Kinder aus der Klemme ist ein therapeutisch fundiertes Gruppenprogramm. Während der drei Tage werden das gesamte Programm und die Grundpfeiler erklärt, die das Programm tragen. Die Teilnehmer*innen werden während vieler Übungen aktiv sein, und Videoclips werden klären, was in der Gruppe und während der Präsentationen passiert. Sie lernen, wie sie das Gruppenprogramm durchführen und mit individuellen Konfliktfällen effektiver arbeiten können.
Während des Trainings werden Methoden und Erfahrungen vermittelt, die es ermöglichen, mit dem Gruppenprogramm „Kinder aus der Klemme“ zu arbeiten. Obwohl viele Methoden angeboten werden, bietet das Programm auch Raum für Anpassungen pro Gruppe. Es ist kein Kurs, an dem Eltern teilnehmen, sondern ein offener Dialog, in dem Therapeut*innen Ideen einbringen, in dem aber immer Raum für Initiativen von Eltern und Kindern vorhanden ist.

Themen, die besprochen werden

Elterngruppe
  • Vorbereitung und Erstkontakt
  • Vielstimmigkeit als Ausgangspunkt
  • Die Haltung ist offen, mitfühlend und präsent
  • Wie laufen Info- und Vorgespräche?
  • Vorbereiten und Ausführen eines Netzwerktreffens
  • Schaffung einer sicheren Arbeitsumgebung, auch bei Gefühlen von Angst, Wut und Bedrohung
  • Offener Dialog in der Gruppe: Was bedeutet das?
  • Wie kann die Gruppe genutzt werden und wie kann dies die Sicherheit fördern?
  • Wie Kinder im Mittelpunkt bleiben
  • Zerstörerische Muster erkennen und durchbrechen
  • Eskalierende Prozesse erkennen: eskalieren und deeskalieren
  • Erkennen und Arbeiten mit Traumareaktionen
  • Übungen, bei denen neue Lösungen für alte Probleme gefunden werden können
  • Zwischenkrisen
  • Vorbereitung der Präsentationen und Präsentation der Eltern
  • Wie erleben Eltern die Präsentationen der Kinder – Reflektionen
  • Schließung, Bewertung und Anschlussperspektiven
Kindergruppe
  • Vorbereitung und Erstkontakt
  • Schaffung einer sicheren Arbeitsatmosphäre
  • Arbeiten mit einem großen Altersunterschied (4-18 Jahre) in der Gruppe
  • Erkennen und Arbeiten mit Traumareaktionen
  • Übungen
  • Kreative Werkzeuge und Aktionen (Film, Graffiti, Zeichnen, Tanz, Musik)
  • (Mit-)Teilen, wie die Dinge zu Hause sind
  • Vorbereitung der Präsentationen und Präsentation
  • Steigerung der Widerstandsfähigkeit
  • Evaluierung, Abschluss und mögliche Anschlussperspektiven

Zielgruppe

Die Weiterbildung richtet sich an Kolleg*innen aus pädagogischen, beraterischen und therapeutischen Kontexten, die Eltern in Trennungs- und Scheidungsprozessen beraterisch begleiten bzw. mit den in den Trennungsprozess involvierten Kinder arbeiten.

weiterführende Informationen

>>> Ein Programm für Kinder
>>> Arbeitsweise und typische Merkmale