Netzwerkarbeit in der aufsuchenden Familientherapie (AFT)

Alltogether now !

von Mechtild Römer – AFT Therapeutin

Seit über einem Jahr hat die Pfefferwerk Stadtkultur auch die ambulante Familientherapie, einen kleinen und sehr feinen Arbeitsbereich, im Leistungsangebot. Das AFT-Team besteht aus vier Mitarbeiter:innen, alle sind berufserfahren und bringen unterschiedliche Spezialkenntnisse mit. Eine Gemeinsamkeit ist die systemische Denk- und Arbeitsweise mit einer grundsätzlich netzwerkorientierten Ausrichtung.

Die Netzwerkorientierung als Haltung findet sich auf verschiedenen Ebenen wieder. Wenn das Team als Kompetenzenpool verstanden und genutzt wird, kann sie beispielsweise in kollegialen Fallberatungen sichtbar werden. Dies bedeutet auch, die eigenen Grenzen zu erkennen und sich als therapeutische Fachkraft Hilfe und Unterstützung zu holen.

In der Netzwerkorientierung im Hilfesystem ist davon auszugehen, dass alle beteiligten Akteure unterschiedliche Beiträge leisten können, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.     

Netzwerkorientierung in der aufsuchenden Familientherapie geht davon aus, dass außer dem therapeutischen Co-Team andere Menschen, aus dem institutionellen oder dem privaten Kontext hilfreich für einen erfolgreichen Verlauf und die Zielerreichung sein können.

Bevor eine aufsuchende Familientherapie von Eltern beantragt, von einer EFB oder einem KjpD empfohlen und von einem Jugendamt bewilligt wird, gab es oft schon mehrere Versuche, das Problem zu lösen. Zum Zeitpunkt der Antragstellung sind i.d.R. mehrere Personen und Institutionen mit der Familie oder dem sogenannten Indexkind mit verschiedenen Aufträgen oder Anliegen befasst.

Die netzwerkorientierte Arbeit der aufsuchenden Familientherapie bei Pfefferwerk beginnt bereits mit der Probatorik. Wir verschaffen uns einen Überblick, wer zur Familie gehört, wer aus dem familiären oder sozialen Umfeld für den Hilfeverlauf wichtig ist oder wichtig werden könnte, welche Institutionen, mit welchem Auftrag oder Anliegen  bereits mit der Familie Kontakt haben. Zur Visualisierung bietet sich das Anlegen einer Netzwerkkarte an.

Wenn beispielsweise Kita, Schule, Klinik, SPZ als bereits unterstützende Institution beschrieben werden, kann es im Therapieverlauf sinnvoll sein, die Schnittstellen sichtbar zu machen. Das sind die Bereiche, in denen mehrere „Köch:innen im selben Suppentopf rühren“. Dann geht es darum, die Zutaten miteinander abzustimmen, damit das zubereitete Mahl auch schmackhaft und gut bekömmlich wird.

Auf die Familientherapie bezogen bedeutet dies, dass beispielsweise Kita, Ergotherapie, Eltern und AFT kooperieren, mit dem Ziel „das Kind erhält die, für ein körperlich-seelisch gesundes Aufwachsen, erforderliche Unterstützung“. Es wird benannt, wer was zur Zielerreichung beiträgt und wo die Grenzen der individuellen Möglichkeiten sind. Hierfür ist es wichtig, die Erwartungen aneinander zu formulieren und den eigenen Möglichkeitsbereich zu kommunizieren. Dieser Prozess mag aufwendig erscheinen doch es lohnt sich, Energie und Zeit in eine lösungsorientierte Netzwerkarbeit zu investieren um Missverständnisse, Enttäuschungen, Ärger, destruktive Bündnisse oder Grenzüberschreitungen zu vermeiden. Klarheit im Hilfenetz bedeutet immer auch Klarheit und Orientierung für das Kind.

Netzwerkorientierte Arbeit funktioniert „Hand-in-Hand-in-Hand“ indem vorhandene Ressourcen von Familie, Sozialraum und Institutionen erfolgreich genutzt werden.

Die „Familienstube“ – Mehrfamilienarbeit in der Kita

Miteinander Elternkompetenzen stärken

von Claudia Bartz, Kita Wattstraße, Berlin

„Es ist sinnlos, am Kind allein herumzudoktern“, meint der Pionier der Multifamilientherapie und Londoner Psychiater Eia Asen. Und um diesem ganzheitlichen Ansatz zu entsprechen ist geplant, in der Kita Wattstraße der Pfefferwerk Stadtkultur eine Familienstube einzurichten und so die Elternarbeit zu fördern und ihre Kompetenzen als Erziehungsberechtigte zu stärken. Seit einigen Monaten werden wir dafür von Thomas Pletsch und Ulrike Behme-Matthiesen aus dem Schleswiger Institut für Weiterbildung und Entwicklung (IWES) geschult, die schon das Konzept Familie in Schule (FiSch) für die Zusammenarbeit von Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften in Mehrfamiliengruppen entwickelten. (>>> Ansätze der Mehrfamilienarbeit in Pfefferwerk-Einrichtungen)

Mit dem Konzept der Familienstube werden Methoden der Multifamilientherapie in den Kita-Bereich übertragen. Auf diese Weise unterstützen und „coachen“ sich Familien auch gegenseitig. In einem solchen Setting können die Familien „über Kreuz lernen“ – das heißt eine Familie lernt von einer anderen Familie. Hierbei werden sie durch einen Eltern-Coach und eine*n Erzieher*in für ihren Austausch untereinander unterstützt. Im Mittelpunkt steht die Stärkung der Beziehungen zwischen Eltern, ihren Kindern sowie ihren sozialen Netzwerken. Die Kita Wattstraße ist dafür auch in engem Austausch mit dem Jugendamt des Bezirks Mitte von Berlin und wir freuen uns auf die Kooperation.