Teilnehmer des Basistrainings zur Neuen Autorität mit Idan Amiel auf dem Pfefferbger 2018 sitzen im Kreis.

Erfahrungsbericht und einige Gedanken zum 3-tägigen Basistraining Stärke statt Macht – Die Neue (andere) Autorität

Von Till Brinkmann, Systemischer Familientherapeut

Um meinen Gesamteindruck vorwegzunehmen: Ich war hellauf begeistert von dem dreitägigen, intensiven und inspirierenden Basis- Training! Der Referent Idan Amiel, den ich zum ersten Mal live erleben konnte, erinnerte mich gleich an eine gelungene Kombination zwischen den Schauspielern Yul Brynner und Luis de Funes: sehr intensiv und lebendig, gleichzeitig auch überraschend und lustig. Super Kombi! Außerdem ist er sehr kompetent, ein ausgewiesener Fachmann auf seinem Gebiet, der mich inhaltlich und didaktisch überzeugte. Mit seiner authentischen und unterhaltsamen Art ist es eine Freude ihm zuzuhören.

Wir, ca. 32 Teilnehmer, wurden von ihm und seinen Kolleginnen Galit, Nitsan und Dana (ebenfalls klinische Psychologinnen aus Tel-Aviv) während der 3 Tage ordentlich in die Mangel genommen. Auch wenn Idan in kurzen Impulsvorträgen die verschiedenen Themen des Basistrainings einführte, waren die sehr kompetenten Kolleginnen nicht minder unterhaltsam und intensiv in ihrer Präsenz und Präsentation. Sie leiteten hauptsächlich die 3 Kleingruppen, in denen die einzelnen Aspekte des Programms vertieft und ergänzt wurden. Die obligatorischen Rollenspiele waren gut eingeführt und inhaltlich gerahmt und eröffneten neue Perspektiven auf die Problemfelder der Arbeit mit Familien. Außerdem machten sie auch eine Menge Spaß und wir konnten die vorher „theoretisch“ vorgestellten Methoden praktisch erproben und unsere eigenen Erfahrungen sammeln.

Des Englischen soweit mächtig, musste ich mich doch sehr konzentrieren, um dem schnell und intensiv gesprochenen Englisch von Idan folgen zu können. So dass auch die Simultan-Übersetzerin vom Idans Englisch ins Deutsche bisweilen ganz schön schwitzen musste. Seine ebenfalls englisch sprechenden Kolleginnen waren da etwas „gnädiger“ mit uns. Schwitzen mussten allerdings auch alle anderen Teilnehmer im schönen
„Schwarz-Weißen-Pfeffer“ (passender Name…) Raum im Pfefferwerk wegen der „angenehmen“ ca. 28 Grad der ersten Wärmewelle während der Kurstage. Gute Verpflegung und „Bekümmerung“ vom Pfefferwerk (Danke dafür!) machten es aber sehr gut verträglich.

Insgesamt wurde in diesen 3 Tagen die seit Jahren vom Team um Idan Amiel und Hain Omer entwickelte Arbeitsweise zur Unterstützung von „Multiproblemfamilien“ vorgestellt, welche das Team schon seit Jahren erfolgreich in der Elternberatungsstelle am „Schneider Childrens Medical Center of Israel“ in Tel Aviv praktiziert und auch ständig weiterentwickelt.

Neu an diesem Programm war für mich vor allem der Aspekt, die Stärkung der Eltern absolut in den Mittelpunkt zu stellen. Darauf zu fokussieren, welche Kompetenzen die Eltern durch einen ganz praktischen „Arbeitsablauf“, bei dem jeder Schritt inhaltlich und auch emotional aufeinander aufbaut, weiter zu stärken und ausbauen zu können.
Die Eltern bekommen ein praktisches Arbeitstool, was auch genug flexibel ist, die verschieden individuellen Problemstellungen zu berücksichtigen, was ihnen hilft, ihre
elterliche Autorität grundlegend zu verändern und zu stärken.

Meiner Meinung nach eröffnet die vorgestellte Arbeitweise, deren Grundlage die Ideen des Gewaltlosen Widerstandes ist, eine ausgezeichnete Möglichkeit, problematische Eltern-Kind(er)-Beziehungen positiv zu beeinflussen. Positiv im Sinne von: wieder authentischen Kontakt herzustellen, Klarheit und Verbindlichkeit (wieder) zu etablieren und damit Wohlwollen und Wertschätzung in der Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern (wieder) wachsen zu lassen damit sie sich (wieder) so begegnen können, wie sie es sich im Grunde wünschen und auch alle für ihr Wachstum brauchen: mit Respekt und Liebe.
Das sind zwar große Worte, aber meiner Meinung letztendlich das Ziel jeglicher Arbeit mit Multiproblemfamilien. Nicht immer erreichbar – aber möglich.

Vielen Dank für dieses Training an Idan Amiel und sein Team, so wie an das Team vom Pfefferwerk und Balagan!

Drei Pioniere der Arbeit zur Stärkung familiärer und professioneller Netzwerke auf dem Berliner Pfefferberg

Beitrag von Christoph Klein

Wie sehen unterstützende familiäre Netzwerke aus bzw. wie können professionelle Helfer/innen dazu beitragen, damit sie entstehen? Solche Fragen stehen im Mittelpunkt unserer Fachkonferenz Helfernetzwerke der Gegenwart – Stärkung von sozialen Netzwerken und Familienbeziehungen. Das durch eine westliche Kultur geprägte Streben nach Individualisierung hat auch eine Kehrseite. Nicht mehr selbstverständlich können sich Familien auf die Unterstützung durch Familienangehörige oder gar das sprichwörtliche „ganze Dorf“ verlassen.  Das Streben nach Individualisierung unserer durch eine westliche Kultur geprägten Lebensentwürfe hat auch eine Kehrseite. Nicht mehr selbstverständlich können sich Familien auf die Unterstützung durch Familienangehörige oder gar das sprichwörtliche „ganze Dorf“ verlassen. Die sehr unterschiedlichen Konstellationen von Patchworkfamilien schaffen einerseits neue Möglichkeiten, bringen andererseits auch häufige Veränderungen und Unruhe mit sich. Nicht zuletzt sind Familien auch wegen einer für das Familieneinkommen erforderlichen Arbeitsbelastung oft auf Unterstützung angewiesen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Eltern allein nicht selten mit der ihnen übertragenen Sorge und Verantwortung für ihre Kinder überfordert sind – gerade dann, wenn ihre Zuwendung und Präsenz am meisten gebraucht werden.
Auf der Fachkonferenz berichten drei international erfahrene Pioniere in der Arbeit mit Mehrfamiliengruppen, sozialen und professionellen Netzwerken, wie sie Helfernetzwerke (Lehrer, Therapeuten, Jugendamt) einbeziehen und/oder soziale Netzwerke der Familien (Freunde, Verwandte, Patchwork-Angehörige) gewinnen, um gemeinsam eine „Soziale Arena“ zu schaffen mit dem Ziel, die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) einer Gemeinschaft zu stärken. Wo liegen die Potentiale, aber auch die Stolpersteine und welche professionelle Haltung brauchen wir dafür? Neben Impulsvorträgen besteht im Sinne eines Fachaustauschs viel Gelegenheit zur Beteiligung aller Anwesenden auch beim abschließenden Podiumsgespräch.

Justine van Lawick ist Klinische Psychologin, Familientherapeutin und Trainerin der niederländischen Vereinigung für Beziehungs- und Familientherapie (NVRG), Mitbegründerin des Lorentzhuis Haarlem, Niederlande. Sie entwickelte das Programm Kinder aus der Klemme als wirksame Intervention in hochkonflikthaften Trennungssituationen.

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Eia Asen ist Kinder-, Erwachsenen- und Familienpsychiater sowie Autor mehrerer Standardwerke zur Multifamilientherapie. Er war Direktor des Marlborough Family Service, eines systemisch orientierten gemeindenahen ambulanten Psychotherapiezentrums, und arbeitet heute am Anna Freud National Center for Children and Families.

IdanamielIdan Amiel ist Leiter der Elternberatungsstelle am Kinderkrankenhaus „Schneider Children`s Medical Center“ in Israel und eine der Schlüsselpersonen für die Entwicklung der Konzepte zur Neuen Autorität. Gemeinsam mit Prof. Haim Omer gründete er 2007 das New Authority Center (NAC)

Samstag, 13. Oktober 2018, 9 -17 Uhr | Pfefferberg | Haus 13 | 10119 Berlin
Teilnahmegebühr: 95 €, DGSF-Mitglieder 85 € (inkl. Pausen-/Mittagsversorgung)
Anmeldung bis 30.06.2018 (max. 100 TN)
>>> praesenzundkompetenz.de | puk@pfefferwerk.de
>>> Flyer (pdf-Datei)

Die Veranstaltung der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH wird durchgeführt in Kooperation mit der Carl Auer Akademie (CAA) sowie der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und ist gefördert durch die SKala-Initiative.

Please stop fighting! Depressed little girl leaning at the table and covering ear with hands while her parents shouting at each other in the background

SKala-Initiative fördert das Programm „Kinder aus der Klemme“

Beitrag von Christoph Klein

Die SKala-Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten ermöglicht es der Abteilung Kooperation Jugendhilfe – Schule der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH ein innovatives Konzept in der Beratung von Familien in hochkonflikthaften Trennungen zu erproben und zu erforschen, und damit unsere multifamilientherapeutische und Netzwerk-Arbeit mit Familien auch konzeptionell weiter zu entwickeln. Dafür kooperieren wir seit 2016 mit dem Jugendhilfeträger Jugendwohnen im Kiez – Jugendhilfe gGmbH.
Das Interventions-Programm Kinder aus der Klemme wurde von Kindertrauma- und Familientherapeuten in den Niederlanden für das Arbeiten mit Familien in starken Trennungskonflikten entwickelt, um Eltern zu befähigen, für Sicherheit und Entwicklung ihrer Kinder zu sorgen. Das anhaltend hohe Konfliktverhalten der Eltern mutet Kindern dauerhaft einen emotionalen Ausnahmezustand zu – mit schwerwiegenden Folgen. Auf Grundlage erlebnisintensiver, systemischer, handlungsorientierter Interventionen wird mit Familien in Gruppen gearbeitet (Multifamilientherapie). Auch die sozialen Netzwerke der betroffenen Familien werden aktiv mit einbezogen und gestärkt. Mittels (therapeutischer) Präsenz und Elementen des Offenen Dialogs werden in 8 Sitzungen Inhalte in Theorie und Praxis erlebbar gemacht, individuelle Themen erarbeitet, reflektiert, der Transfer in den Alltag geübt und abschließend die Ergebnisse präsentiert. Auf individuelle und sehr kreative Weise verschaffen sich dabei vor allem auch die Kinder und Jugendlichen Gehör, wie sie der Konflikt trifft.
Durch die Förderung soll in Berlin ein innovatives Konzept zur Prävention schwerwiegender Langzeitfolgen für Kinder und zur Vermeidung bzw. höheren Effizienz von Hilfeleistungen für eine problematische und bisher schwer erreichbare Zielgruppe etabliert werden. Wir wollen die Kooperation mit anderen Trägern stärken und eine tragfähige Grundlage für die weitere Zusammenarbeit im Sinne des Projekts schaffen.
In Kooperation mit einem Team der Medical School of Berlin (MSB) wird bereits die Einführung des Programms wissenschaftlich evaluiert und weiterhin hinsichtlich seiner Wirkungen erforscht. Mit diesem Leuchtturm-Projekt können wir uns fachlich noch stärker positionieren und durch die Veröffentlichungen und Fachkonferenzen weit über die Grenzen Berlins hinaus eine breite Öffentlichkeit erreichen.
Für die Unterstützung zu dieser Förderung bedanken wir uns außerdem herzlich beim Team vom gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus PHINEO!

>>> zum Programm…
>>> Berliner Fachkonferenz: Helfernetzwerke der Gegenwart – Pioniere zur Stärkung familiärer und professioneller Netzwerke

„Neue Autorität“ – Das Original aus Israel in Berlin

Weiterbildungen mit dem »Original« aus Israel

Mit einem Vortrag und dem ersten Basistraining startete im Oktober 2017 unsere vielversprechende Kooperation mit »balagan« und dem Team vom New Authority Center (Tel Aviv, Israel). Fachkräfte aus Kitas, Schulen, Jugendhilfe- und Beratungs- sowie psychiatrischen Einrichtungen nahmen am ersten dreitägigen Basistraining teil, das von einem Team aus vier Mitarbeiter/innen der Beratungsstelle am Schneider Children‘s Medical Center in Tel Aviv (Israel) durchgeführt wurde. Gerade in Krisensituationen vermittelt das Konzept der Neuen Autorität Eltern, was sie konkret für ihre Beziehung zum Kind tun können, und stärkt somit unmittelbar die unsicher gewordene Bindung. Eltern werden ermutigt und angeleitet, für Klarheit, Präsenz und Deeskalation innerhalb der Familie und des sozialen Netzwerks zu sorgen. Gerade auch an Schulen hat es sich bereits bewährt. Hier sind es Eltern und Lehrkräfte, die ein Bündnis gegenseitiger Hilfe und Unterstützung bilden. Ursprünglich von Haim Omer und Idan Amiel in Israel entwickelt, wird dieser auf dem Konzept des gewaltfreien Widerstandes basierende Arbeitsansatz bereits in vielen therapeutischen und beratenden Einrichtungen in Deutschland, England, Holland und der Schweiz praktiziert.

Die Weiterbildungen werden vom New Authority Center zertifiziert und sind als Bildungsveranstaltung gemäß Berliner Bildungsurlaubsgesetzes anerkannt. Vortrag und Workshops 2018 werden über Kopfhörer synchron aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt (detaillierte Infos siehe unten). Die Zahl der Teilnehmer/innen in den Workshops ist auf 32 begrenzt. Anmeldungen puk@pfefferwerk.de

Christoph Klein | Kooperation Jugendhilfe – Schule | klein@pfefferwerk.de

Basistraining (3 Tage)
Grundhaltung des Konzepts des gewaltfreien Widerstandes, Präsenz der Eltern und Erziehungsbeauftragten, Handlungsansätze des Konzepts „Neue Autorität“, sowie die Bedeutung, Einführung und Anwendung des Unterstützer-Systems.
Wann & Wo: April 2019, jeweils 9.30 -16.30 Uhr, Pfefferberg
Teilnahmegebühr: 485 Euro inklusive Pausen- und Mittagsversorgung
Anmeldung bis 31.12.2018 (max. 32 Teilnehmer/innen)

>>> Weitere Infos (Link)

Trainer/innen Workshop (2 Tage)
Anhand von Falldarstellungen dient der Workshop dem Austausch und kritischen Dialog der Teilnehmer/innen untereinander zur Professionalisierung der eigenen Praxis und Implementierung im eigenen Handlungsfeld. Voraussetzung einer Zertifizierung als professionelle/r Trainer/in vom New Authority Center sind das Basistraining, Praxiserfahrungen und Supervision.
Wann & Wo: 11.-12. Oktober 2018, jeweils 9.30 -16.30 Uhr, Pfefferberg
Teilnahmegebühr: 390 Euro inklusive Pausen- und Mittagsversorgung (für Externe)
Anmeldung bis 31.07.2018 (max. 32 Teilnehmer/innen)

>>> Weitere Infos (pdf)

Die Zusammenarbeit mit dem New Authority Center ist eine Kooperation zwischen mit dem balagan – Privatzentrum für Therapie. Weitere Informationen zum Berliner Zentrum für Präsenz und Kompetenz in Beziehungen (PUK) unter: www.praesenzundkompetenz.de | puk@pfefferwerk.de